1910 DIE AFFENTALFICHTE

oder ein Christbaum so hoch wie der Domturm

Unweit der Ortschaft Buchenhüll nordöstlich von Eichstätt liegt das Affental. Eine lustige, seltsame oder auch originelle Namensgebung zunächst - wie mans nimmt. Karl Kugler erklärt 1868 in seinem Buch "Die Altmühlalb" die Namensgebung unter Zuziehung der Monumenta boica mit "Affinthal". Der Dativ Affin stammt von dem altdeutschen "Affa", welches "Wasser, Bach, Fluß" bedeutet.

Eine schöne Erklärung und Forstrat Leythäuser verwendet die gleiche Begriffserklärung Ende des 19. Jhd. in seiner Abhandlung "Der Wald von Eichstätt”. Eine andere Namens-Erklärung beinhaltet folgende Sage, die unter dem Titel "Die Fichtenmutter im Affental" in der Beilage "Heimgarten", 1952, Nr. 15 der damaligen Eichstätter Zeitung nachzulesen ist: 

".... wie war das nun mit dieser Fichtenmutter ? Ein gutes Mädchen habe in der Reformationszeit ein Gelübde getan, eine Fichte im Affental = im Höllgraben - zu pflanzen und zu hegen; ... aus jener Pflanze wurde ein mächtiger Baum von 50 Meter Höhe und einem Umfang von 6,30 Meter. Er stand als mächtigster und ältester Fichtenbaum Bayerns, als Fichtenmutter der bayerischen Wälder bis in unser Jahrhundert hinein. Das gute Mädchen soll Afra geheißen und dem Tal den Namen gegeben haben ... ." 

Eine kleine, liebevoll gepflegte Jurasteingrotte mit einer Marienfigur beim Affentalhaus erinnert wohl heute noch an diese Sage. 

Doch zurück zu dieser erstmals erwähnten Affentalfichte, über die Leythäuser Ende:des 19 Jhd. wie folgt berichtet: "Eine Fichte seltener Art und wahrscheinlich dem 3. Umtrieb angehörig ist die Affenthaler Fichte zunächst der Diensthütte; sie misst bei einem Brustdurchmesser von 1,63 m und einer Höhe von 43 m ca. 40 Ster Festgehalt. 

Auf einer Ansichtskarte Ende des 19. Jhd. (1899) grüßt ein Photo der Affentalfichte neben der Diensthütte im Affental - mit den Daten: 360 Jahre alt, 40 Meter hoch, 5,34 Stammumfang. 

Die Münchener "Illustrierte Wochenschrift für Bayerns Volk und Land" Jahrgang 1910, Nr. 13, erzählt hierzu folgendes: "Wohl mit die größte Fichte unseres Bayernlandes, die sogenannte "Affentalfichte" im Forstrevier Rapperszell, ist gefällt worden. Dieselbe war 40 Meter lang (40 Jahre zuvor war der 10 Meter fange Gipfel durch Sturm abgesprengt worden), hatte am Abschnitt zwei Meter Durchmesser, nach 20 Metern Höhe noch einen Meter Durchmesser und am Zopf einen solchen von 40 Zentimetern. Der Riesenbaum erreichte ein Alter von ungefähr 280 Jahren und lieferte 50 Ster Holz. Herr Kgl. Forstassistent Hofmann in Rapperszell hat eine fotographische Aufnahme von dieser Riesenfichte gemacht."

In der Adventszeit 1987, in Nr. 292 des Donau Kuriers fasste der ehemalige Kulturreferent der Stadt Eichstätt und bekannte Musikpädagoge, Herr Georg Babl alle diese Informationen zu einer sehr liebenswerten Weihnachtsgeschichte unter der Überschrift "Ein Christbaum so hoch wie der Domturm" zusammen. 

Ein Teil der Erdstammscheibe der damals gefällten Affentalfichte ist gesichert. Das Teilstück wurde freundlicherweise vom Historischen Verein Eichstätt dem Forstamt Eichstätt im Jahr 1992 überlassen und ist im Forstamtsgebäude am Residenzplatz 12 seit 25. März 1992 im ersten Obergeschoß ausgestellt. 

Die Diensthütte neben der Affentalfichte, die die Ansichtskarte von 1899 zeigt, wurde vom Forstamt gegen alle Angriffe der letzten 20 Jahre erhalten. In der Diensthütte wohnt bis 19.12.1962 die Familie des Haumeisters Wagner. Nach seinem Tod bewohnt seine Witwe bis ins hohe Alter von 79 Jahren, allein und mutig, das Affentalhaus. Es ist das letzte Forsthaus, das aus fürstbischöflicher und Leuchtenberger Zeit erzählen kann. Ein Sohn von Frau Anna Wagner, Herr Rudolf Wagner, Fahrlehrer in Eichstätt, der das Anwesen vom Forstamt gemietet hat, renoviert und betreut dieses historische Haus seit Jahren liebevoll.
 

Inhaltsverzeichnis

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GESCHICHTEN DES EICHSTÄTTER WALDES

1730 "DIE ANLAGEN" 
Vom offenen Barockgarten des 18. Jahrhunderts 
zum stillen Naturerlebnis der Jahrtausendwende 

DIE UNIVERSITÄTS UND SCHULSTADT Eichstätt 
1781 ehedem auch Sitz einer Forstschule

1785 EIN STERN FÄLLT VOM HIMMEL
oder der Meteorit von Wittmes

1817 - 1855 LETZTE GLANZLICHTER HÖFISCHER-JAGD 
der Sau- oder Schweinspark, der Hirschpark, 
die Fasanerie 

1973 NATUR PUR
das Naturwaldreservat im Beixenhart 

DIE ORKANE VIVIAN UND WIEBKE 
zertrümmern am 28. Februar/1. März 1990 
die Wälder und die Arbeit von Waldbesitzern 
und Forstleuten 

DIE FORSTVERWALTUNG IM EICHSTÄTTER LAND und DAS FORSTPERSONAL 

LITERATURVERZEICHNIS